Ergänzende Hinweise zur radiologischen Belastung von Lebensmitteln in Japan

Das in den ersten Wochen nach der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima I für die radiologische Belastung von Lebensmitteln relevante Jod-131 ist bereits seit Anfang Mai 2011 nicht mehr zu berücksichtigen, weil es aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit als vollständig zerfallen gilt. Seither sind für eine Strahlenexposition praktisch nur noch die Radioisotope Caesium-134 und Caesium-137 relevant.

Die Deutsche Botschaft Tokyo hat seit der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima I die Entwicklung der Lebensmittelsituation kontinuierlich verfolgt und von deutschen Strahlenschutzexperten bewerten lassen. Deren Einschätzung deckt sich mit den Einschätzungen anderer EU-Mitgliedstaaten und der EU-Delegation in Tokyo.

Danach können alle im regulären Handel erhältlichen Lebensmittel als radiologisch unbedenklich angesehen werden.

Es ist zwar nicht völlig auszuschließen, dass trotz bestehender Verbote und Kontrollen in Einzelfällen Lebensmittel in den Handel gelangen, deren Radionuklidgehalt die gesetzlichen Vorsorge-Grenzwerte übersteigt. Dies wäre in einem entsprechenden Fall auch in Europa nicht völlig auszuschließen. 

Entscheidend für die Gesundheitsbelastung ist aber die sogenannte mittlere jährliche Ingestionsdosis, die sich aus der Summe der Aktivitätskonzentrationen in den konsumierten Lebensmitteln bei normaler Ernährungsweise ergibt. Selbst unter sehr pessimistischen Annahmen - d.h. unter Einbeziehung mehrfachen Konsums von über den Vorsorge-Grenzwerten liegenden Lebensmitteln - läge diese mittlere jährliche Ingestionsdosis weit unter 1 Millisievert; für den Großteil der Bevölkerung dürfte sie bei realistischer Betrachtungsweise deutlich weniger als ein Zehntel dieses Wertes ausmachen. 

Das japanische Gesundheitsministerium selbst rechnet mit einer jährlichen effektiven Ingestionsdosis von 0,04 Millisievert auf der Basis des ermittelten durchschnittlichen Radionuklidgehaltes der in Japan konsumierten Lebensmittel. Das gesundheitliche Risiko kann deshalb in der Gesamtbetrachtung als vernachlässigbar gering angesehen werden.

Um Deutschen in Japan, insbesondere den auf Dauer in Japan lebenden Deutschen, eine auf die jeweilige Lebenssituation bezogene individuelle Risikoeinschätzung zu ermöglichen, wird ergänzend auf folgende Informationen hingewiesen:

Auf die Fragen, was radioaktive Strahlung überhaupt ist, welche Strahlendosis wir auf natürliche Weise täglich erhalten und ab wann Strahlung gefährlich wird, gibt u.a. die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) auf einer Sonder-Website über das Kernkraftwerk Fukushima I Antworten.

Dort finden Sie auch einen Überblick über die Höhe der natürlichen und künstlichen Strahlung, die uns auch in Deutschland bereits im Normalfall umgibt. Die Übersicht ist hilfreich, um das individuelle Risiko einer zusätzlichen Strahlenexposition bewerten und in den Kontext der Gesamtstrahlenexposition einordnen zu können.

Mittlere Werte der Strahlenexposition durch verschiedene Quelle in Deutschland können Sie dieser Übersicht entnehmen. [pdf, 61.04k]

Mit der Aufnahme von Radionukliden (instabile Atomkerne, die unter Aussendung radioaktiver Strahlung in stabile Atomkerne zerfallen) über die Nahrung wird der menschliche Körper einer Strahlung von Innen ausgesetzt („interne Strahlenexposition“). 

Zur Begrenzung dieser internen Exposition hatte die japanische Regierung unmittelbar nach der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima I vorläufige Vorsorge-Grenzwerte für Radionuklide in Lebensmitteln festgelegt, die für die Dauer eines Jahres angewandt wurden. Seit 1. April 2012 werden die folgenden, nun permanent geltenden Vorsorge-Grenzwerte für Caesium-134+137) angewendet: 10 Becquerel/kg (Bq/kg) für Mineralwässer und Tee, 50 Bq/kg für Milch, Molkereiprodukte und Kleinkindnahrung und 100 Bq/kg für alle anderen Lebensmittel. 

Einzelheiten der neuen Regelung können dieser Mitteilung des japanischen Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW) entnommen werden. [pdf, 910.87k]

Die Überwachung der Lebensmittelkette („Lebensmittel-Monitoring“) in Japan erfolgt durch die Kontrollbehörden der Präfekturen auf der Grundlage von Richtlinien des Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW). 

Auch die Analyse der Lebensmittelproben erfolgt durch Laboratorien in den Präfekturen, die durch nationale Institute unterstützt werden. Die Analyseergebnisse werden nahezu täglich aktualisiert und regelmäßig auf den nachfolgend aufgeführten englischsprachigen Webseiten des MHLW und des Ministry of Agriculture, Forestry and Fisheries (MAFF) verfügbar gemacht. Dort finden sich auch Mitteilungen sowohl über Verbote als auch über die Aufhebung von Verboten des Inverkehrbringens bestimmter Lebensmittel aus bestimmten Regionen.

MHLW (Analyseergebnisse aller Lebensmittel) (englische Seite)

MAFF (Detailinformationen zu tierischen Lebensmitteln, Fisch und Meeresfrüchten) (englische Seite)

Zusammenfassende Darstellungen der Ergebnisse der durchgeführten Lebensmitteluntersuchungen finden Sie hier: 

Jahresbericht Lebensmittel und Leitungswasser (19.03. 2011 - 19.03.2012) [pdf, 113.42k]

Zwischenbericht Lebensmittel und Leitungswasser (01.04.2012 - 30.09.2012) [pdf, 99.94k]

Ergänzende Informationen z.B. zur Bestimmung der effektiven Strahlendosis oder zur effektiven Halbwertzeit finden Sie in der Rubrik „Häufig gestellte Fragen“.

Mögliche Auswirkungen des Reaktorunfalls auf das Meeresökosystem und den dort gefangenen Fisch sind für Verbraucher besonders schwer einzuschätzen. 

Das Johann Heinrich von Thünen-Institut hat sich diesen Fragen besonders angenommen und Informationen für Verbraucher auf seiner Webseite eingestellt.

Häufig gestellte Fragen zu den Folgen der Havarie im Kernkraftwerk Fukushima I

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu den Folgen der Havarie im Kernkraftwerk Fukushima I.

Deutschenliste und Krisenvorsorge

Alle Deutschen, die sich - auch nur vorübergehend - im Amtsbezirk der deutschen Auslandsvertretungen in Japan aufhalten, können in eine Krisenvorsorgeliste gemäß § 6 Abs. 3 des deutschen Konsulargesetzes aufgenommen werden.

Sicher reisen - mit der App des Auswärtigen Amts

Reise-App des Auswärtigen Amts

Die App des Auswärtigen Amts. Der Name ist Programm. Das Auswärtige Amt hat für Sie die nötigen Informationen für eine sichere und möglichst reibungslose Auslandsreise in einer Anwendung zusammengefasst.

Erdbeben- und Krisenvorsorge

Hubschraubereinsatz

Wie verhalte ich mich im Fall eines Erdbebens oder einer anderen Naturkatastrophe in Japan? Hier finden Sie gesammelte Informationen deutscher und japanischer Stellen dazu.

Reise und Aufenthalt in Japan

Tokyo Skytree

Hier finden Sie Informationen rund um Reisen nach und den Aufenthalt in Japan.

Der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission zu Fukushima I

Prof. Dr. Rolf Michel von der Leibniz-Universität Hannover, Vorsitzender der Deutschen Strahlenschutzkommission und Berater der Deutschen Botschaft in Tokyo, zum Thema "Folgen der Havarie im Kernkraftwerk Fukushima I"

Hintergrundinformation zu Tritium

Aufgrund Anfragen deutscher Bürger zum Thema Tritium stellt die Deutsche Botschaft folgende Hintergrundinformation des Bundesumweltministeriums auf der Homepage bereit.

Begriffserklärung

Hier finden Sie ein Merkblatt von Prof. Dr. Joachim Breckow, Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz der Technischen Hochschule Mittelhessen, mit Erklärungen zu Begriffen wie "Becquerel" und "Mikrosievert".

Kurz-Information: Radioaktivität und ionisierende Strahlung

Hier finden Sie die Präsentation zum Vortrag, den Dr. Horst Miska am 10.09.2011 an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama gehalten hat.